Wer schreibt der bleibt – eine bibliographische Annäherung an Paul Heidelbach

11. Mai 2019 | Die bibliographische Suche nach Paul Heidelbach ist einfach und erfolgversprechend. Zum Beispiel via Wikipedia, am besten informiert das KasselWiki, welches daher vorzuziehen ist. Wer andere Wege geht, wird noch mehr finden, in zahlreichen Bibliotheken sind Monografien und andere Werke des Kasseler Autors, Schriftstellers, Historikers und „Vielschreibers“ zu finden. Im Jahr 1988 hat Helmut Bernert verzichtet eine Bibliographie zu publizieren und zugleich den Hinweis gegben auf bis dahin rund 300 Titel (für zumeist Zeitungs- und Zeitschriftenaufsätze), die er als Bibliothekar gesammelt hatte. Nicht zu vergessen sind die Buch-Antiquariate. In der Spitze sind 185 Euro fällig für Heidelbachs ‘Geschichte der Wilhelmshöhe‘.

In diesem Beitrag  soll es um neuere Veröffentlichungen über Paul Heidelbach gehen. Eine interessante und recht ausführliche Abhandlung und Darstellung aus den letzten Jahren stammt aus der Feder des vormaligen Kasseler Hochschullehrers und Neuzeithistorikers Prof. Jens Flemming in der Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde (ZHG) Band 120 aus dem Jahr 2015. Schon der Titel des elfseitigen Aufsatzes weckt Interesse:
Kampf um die Deutungshoheit – oder: Wer schreibt die maßgebliche Geschichte der Stadt Kassel? Hugo Brunner, Paul Heidelbach und die Kasseler Tausenjahrfeier von 1913.“ Flemming referiert unter Hinzuziehung vieler zeigenössicher Quellen eine jahrelange, hartnäckig geführte Auseinandersetzung um das Zustandekommen einer Stadtgeschichte in Buchform. Man kann dies als einen besonderen „Historikerstreit in Kassel“ bezeichnen.

Vom Ende her betrachtet ist Paul Heidelbach als der bedeutendere Autor aus diesem Streit hervorgegangen. Brunners gut bezahlte Stadtgeschichte ist erschienen und – mit Verzögerung nicht zuletzt durch den Ersten Weltkrieg verursacht – auch die von Heidelbach. Dessen stadtgeschichtliches Buch ´Kassel` erlebte dann, 1957 beginnend, mehrere Folgauflagen im Bärenreiter Verlag bis zum Jahr 1971.

Die vielleicht interessanteste ´Wiederauflage´eines Heidelbach-Werkes hat der junge Computer-Linguist Daniel Stein in die Welt gebracht.  Die Rahmenveranstaltungen zur 1100-Jahrfeier waren für ihn der Anlass `Das Wörterbuch der Kasseler Mundart´, von Paul Heidelbach und Kurt Grassow aus 1952  als bisher einziges Werk in digitaler Version zu veröffentlichen.

Von Heidelbach ist mithin nicht alleine mitzuteilen, dass er „den Krieg 1870/71 als ‚ Einjähriger‘ mitmachte“, wie er selbst am Anfang seiner Schulerinnerungen mitteilt, es ist ihm auch gelungen in das digitale Zeitalter Einzug zu halten – und das interaktiv, versteht sich.

Vor weiteren bibliographischen Avancen sind jetzt erst einmal andere Mühen der Ebene zu durchmessen und zu bewältigen. Der Nachlass von Paul Heidelbach, derzeit in den Händen seines Enkel Ulrich Helbing, wird seit Monaten gesichtet, geordnet und erschlossen um nach Kassel verbracht werden zu können.Kleinere Teile des Nachlasses wurden nach dem Tod Heidelbachs im Jahr 1954 an die Stadt übergeben, was zuvor vertraglich geregelt worden war.

Der Haupteil des (persönlichen) Nachlasses verblieb in der Familie und sollte „an den Jungen“ gehen, wie Heidelbach es gegenüber seiner Tochter zum Ausdruck brachte und wie es auch geschah. Hunderte Briefe innerhalb der Familie und von Zeitgenossen, darunter Philipp Scheidemann, Tausende Manuskriptseiten, eine große Zahl von Dokumenten und Aufzeichnungen, eine noch unübersehbare Zahl von Zeitungsausschnitten, Zeitungsseiten, Schriften und anderen schriftliche Archivalien werden derzeit mit Akribie bearbeitet um schließlich in wohlgeordnetem Zustand ihren Archivort in Kassel zu finden.

Zieldatum dafür könnte der 150. Gebutstag am 28. Februar 2020 sein. Um das zu leisten müsste allerdings alles wie am Schnürchen laufen. Dabei allem geht gerade hier Sorgfalt und Gründlichkeit vor Schnelligkeit und falschen Eifer.

In jedem Fall soll es zum 150jährigen Geburtstag Paul Heidelbachs ein ausführliches Paul Heidelbach Lesebuch geben. Dann mit Raum für längere Texte von Heidelbach selbst, dazukommen sollen Dokumente aus seinem Leben, Fotografien, Lesenswertes aus der Familie und Autorenbeiträge über sein Leben und reichhaltiges Werk.

Vermutlich wird die Zeit bis dahin auch nicht ausreichen eine tragfähige Bibliographie fertig zu stellen. Das bleibt ebenso Aufgabe wie die Wiederauflage dieses und jenes seiner Bücher.
Schon Anfang der 1950er Jahre haben Offizielle der Stadt Kassel über ein Werkausgabe nachgedacht. Vielleicht läßt sich dieser Gedanke aufgreifen. Am besten in der Art Gutenbergs, also gedruckt.